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Thilo Sarrazin zu Schulz, Gabriel, Mueller, Merkel: Die Meister des Postfaktischen
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Turning Point
2017-04-20 11:34:21 UTC
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Raw Message
Thilo Sarrazin,
Gastautor 20.04.2017
Schulz, Gabriel, Müller, Merkel: Die Meister des Postfaktischen

Seit dem erfolgreichen Wahlkampf Donald Trumps hat die Kritik an
„Fake News“ Karriere gemacht. Besondere Heiterkeit und Empörung
erregte im Januar 2017 die Wortschöpfung von Trumps Beraterin
Kellyanne Conway, die zur Größe des Besucherandrangs bei
der Inaugurationsfeier „alternative Fakten“ ins Feld führte.

Für viele Medien und Politiker, die sich mit dem Wahlsieg Trumps
genauso wenig abfinden konnten wie mit dem Brexit-Votum sechs
Monate vorher, schien klar zu sein, dass Lügen und unwahre
Behauptungen, „Fake-News“ eben, viele Bürger vor allem im
Internet in die Irre führen und so die demokratische
Willensbildung verzerren.

Bereits im November 2016, unmittelbar nach Trumps Wahlsieg,
beklagte Angela Merkel im Deutschen Bundestag Verzerrungen der
politischen Berichterstattung im Internet und schlug vor, hier-
für notfalls gesetzliche Regeln zu schaffen. Justizminister Heiko
Maas (SPD) ließ sich nicht lange bitten und drohte Bußgelder an,
wenn Facebook nicht härter gegen „Fake News“ vorgehe.

Um solche Bestrebungen ist es in den letzten Monaten stiller
geworden. Vielleicht hat man erkannt, dass auch die sog. seriösen
Zeitungen ziemlich viele weiße Stellen aufweisen würden, wenn alle
Behauptungen gestrichen werden müssten, deren Wahrheitsgehalt
nicht belegt und vielleicht sogar widerlegt ist, oder die
einfach in den falschen Zusammenhang gestellt wurden
und deshalb irreführend sind.

Vielleicht haben aber auch einige entdeckt, dass die Strategie
von Union und SPD für den kommenden Bundestagswahlkampf zum
großen Teil darauf hinausläuft, alternative Fakten in den
Mittelpunkt ihrer Wählerwerbung zu stellen, und die
Medien helfen dabei kräftig mit:

Martin Schulz und die Gerechtigkeitslücke

Der Kanzlerkandidat des SPD, Martin Schulz hat sich in den
10 Wochen seit seiner Kür zu den beiden zentralen Fragen der
deutschen Politik, der Zukunft des Euro und der Flüchtlings-
und Einwanderungspolitik, noch gar nicht geäußert.

Stattdessen spricht er über eine Gerechtigkeitslücke, die sich
angeblich in den vergangenen 10 Jahren aufgetan habe. Sie gehört
in die Welt der alternativen Fakten, denn sie ist in den
Statistiken nicht zu entdecken.
[...]
Angestiegen sind die Vermögenspreise, getrieben durch die leichte
Geldpolitik der EZB, die die südlichen Mitgliedsländer vor dem
Finanzkollaps bewahren soll. Das begünstigt die Besitzer von
Immobilien und Aktien und benachteiligt Geldvermögensbesitzer.

Zu ihnen zählen die kleinen Leute, deren größtes Vermögen das
Sparbuch und die Lebensversicherung sind. Dazu hört man nichts
vom Kanzlerkandidaten der SPD. Für den Wahlkampf hat er sich
eine virtuelle Kampfstätte gebaut, auf der ein Schattenboxen
nach seinen Regeln stattfinden und ihm den Wahlsieg bringen soll.

Sigmar Gabriel und die griechischen Reformen

Der frisch gebackene Außenminister Sigmar Gabriel entdeckte
bei seinem ersten Griechenland-Besuch alternative Fakten zur
griechischen Wirtschafts- und Finanzpolitik und lobte, die
eingeleiteten Reformen gingen weiter als seinerzeit die
deutschen Arbeitsmarktreformen unter Bundeskanzler Schröder.

Er übersah, dass in Griechenland der Arbeitsmarkt weiter dys-
funktionial ist und die Strukturen von Staat und Gesellschaft
korrupt und ineffizient bleiben. Es ist gar nicht erkennbar,
wie Griechenland überhaupt an jenen Punkt gelangen kann,
der für die Reformen Gerhard Schröders die Ausgangslage war.

Parallel zum Lob der griechischen Reformfreude forderte Gabriel
höhere Leistungen Deutschlands für den EU-Haushalt, denn
Deutschland sei der größte Nettogewinner der EU.

Auch diese Behauptung zählt zu den alternativen Fakten, denn
in den Statistiken findet sich dazu keine Bestätigung. Seit
vielen Jahren sinkt der Anteil der EU an den deutschen
Exporten, und besonders stark fällt der Anteil des Euroraums.

Der Wachstumsbeitrag der deutschen Exportwirtschaft verlagert
sich immer mehr aus der EU heraus. In der EU, genauso wie
außerhalb der EU, gibt es wirtschaftlich erfolgreiche und
wirtschaftlich erfolglose Länder.

Offenbar geht es Gabriel um etwas anderes: Er möchte die EU
unauffällig umsteuern in eine Transferunion mit Deutschland als
Zahlmeister, denn nur so kann der Euro langfristig gerettet werden.

Damit der Wähler das nicht merkt, verbreitet Gabriel (wie die
ganze Bundesregierung) alternative Fakten über Deutschland
als „Nettogewinner der EU“.

Gerd Müller und der Neokolonialismus

Als Meister des Postfaktischen erweist sich Entwicklungshilfe-
minister Gerd Müller (CSU). Für die schlimme Situation der
meisten afrikanischen Länder macht er den „Neokolonialismus“
verantwortlich. Man könne nicht Mauern bauen, seine Ressourcen
aus Afrika beziehen und sagen, Ihr müsst draußen bleiben.

Die amtliche Statistik weist den Minister als Phantasten aus:
Es kommen nämlich lediglich 1,6 % aller deutschen Importe aus
Afrika, und nur 1,6 % der Exporte gehen dorthin. Ohne Südafrika
und die nordafrikanischen Öl-Staaten sind es sogar nur 0,3 %.

Afrika ist für den deutschen Außenhandel praktisch nicht existent,
weder als Quelle von Ressourcen nach als Exportmarkt. Das Post-
faktische dient dem Entwicklungsminister als Moralkeule, um
die Deutschen durch den Appell an ihr schlechtes Gewissen
für die künftige Einwanderung aus Afrika gefügig zu machen.

Angela Merkel und der Anflug auf Malta

Virtuosin der alternativen Fakten in der deutschen Politik
bleibt aber die Bundeskanzlerin. Zum Auftakt des Landtagswahl-
kampfes in Nordrhein-Westfalen benannte sie den Schuldigen für
den wachsenden Widerstand gegen ihre Flüchtlingspolitik, nämlich
den nordrhein-westfälischen Innenminister Jäger. Weil die Polizei
in der Kölner Silvesternacht 2015 versagt habe, sei die Akzep-
tanz gegenüber den Flüchtlingen in der Öffentlichkeit gesunken.
Darauf muss man erst einmal kommen.

Wäre ich Innenminister in NRW, so hätte ich geantwortet:
„Liebe Frau Bundeskanzlerin, wie die meisten Deutschen habe ich
Ihnen geglaubt, dass alle Flüchtlinge friedlich und nicht
krimineller als die Deutschen sind. Darum gab es in Köln
auch nicht mehr Polizei als sonst bei deutschen Silvesterfeiern.
Sie müssen sich schon entscheiden: Entweder sind die Flüchtlinge
wie wir, dann brauchen wir auch nicht mehr Polizei, oder sie
sind anders, dann haben wir ein Problem.“

Im Herbst 2015 hatte Angela Merkel unablässig argumentiert, die
deutschen Grenzen ließen sich gar nicht schützen. Das war post-
faktisch, denn dank des akribisch recherchierten Buches von
Robin Alexander „Die Getriebenen“ wissen wir heute, dass die
Bundespolizei sehr wohl für den Grenzschutz bereitstand und
diesen auch für möglich hielt, die Bundeskanzlerin und
Innenminister de Maiziére aber der Entscheidung auswichen.

Auch gegenwärtig hält Angela Merkel an der Behauptung fest, dass
ein Schutz vor unerwünschter Einwanderung nicht möglich sei.
In einer Rede vor der Europäischen Volkspartei in Malta
sinnierte sie am 31. März, bei dem Anflug auf Malta habe
man bei klarem Wetter Afrika sehen können. Das zeige doch,
dass man sich von dem Schicksal Afrikas nicht entkoppeln könne.

Wie absurd und wie unhistorisch: Die Grenzen der Schweiz liegen
seit dem Mittelalter in Sichtweite von Deutschland, und doch
gelang es den Schweizern zu ihrem Glück, sich in zwei Welt-
kriegen von Deutschland und seinem Schicksal abzukoppeln.

Leider ist nicht zu erwarten, dass das Niveau der Argumente
steigt, wenn der Wahlkampf näher rückt.

Zuerst erschienen in der Zürcher Weltwoche.
http://www.achgut.com/artikel/schulz_gabriel_mueller_merkel_die_meister_des_postfaktischen

.. "alternative Fakten" als Wahlkampfstrategie von Schwarzrot! ;o)

Wann wird Berlin die Kritiker einsperren, so wie Erdogan in der Türkei?

tp
--
"Merkel ist wahnsinnig- Kanadisches Fernsehen liefert Beweise"
Video:

Fritz
2017-04-20 12:35:33 UTC
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Raw Message
Post by Turning Point
Thilo Sarrazin,
...
Post by Turning Point
...... Meister des Postfaktischen
So sieht das nun der Realität passend aus!
--
Fritz
Usenet Akronyme auf Alpenländisch:
PLUMPS = PLONK (im österreichischen Dialekt)
Hierconf(s) ~ DHDDDIDH = do hockn de do de imma do hockn
Mark Kaiser
2017-04-20 16:17:06 UTC
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Raw Message
"Turning Point"
Post by Turning Point
Thilo Sarrazin,
Gastautor 20.04.2017
Schulz, Gabriel, Müller, Merkel: Die Meister des Postfaktischen
"Postpolitiker" eben!

Passt ja gut zu den erfundenen "Staatsverweigerern".

Hoffentlich bald "posthum";-)

Toll der Beitrag, danke Mark
--
Wem die Wahrheit nichts nützt,
bedient sich der billigen Lüge.

(aus dem Leerbuch des Politikers)
Heinz Schmitz
2017-04-24 12:03:30 UTC
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Raw Message
Post by Turning Point
Martin Schulz und die Gerechtigkeitslücke
Jetzt ist schon lange nix mehr von Schulz zu hören. Und was fehlt?
NIX.

Grüße,
H.

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